Mein Caminho Português

Mein Caminho Português                     28.5. – 11.6.2014

von Jürgen Graf

Tag 1: Mittwoch, 28.05.2014

Anreise und Start von Porto – (Mercado in Matosinhos) nach Vila Cha (15,1 km)

Am Mittwoch, den 28.05.2014 bin ich bereits um 6:15 Uhr vom Flughafen Münster/Osnabrück über Frankfurt nach Porto geflogen. Ankunft in Porto 10:40 Uhr Ortszeit (1 Stunde unterschied zu DE).

Die frühe Ankunftszeit in Porto war für mich der Grund, bereits am gleichen Tag mit meiner Wanderung nach Santiago de Compostela zu beginnen. Vom Flughafen bin ich mit der Metro zur Station „Trindade“ gefahren und dann zur Kathedrale gegangen. Hier habe ich meinen ersten Stempel in den Pilgerausweis erhalten. Nach kurzer Besichtigung der Kathedrale bin ich mit der Metro zur Station „Mercado“ in die Stadt Matosinhos (nördlich von Porto) gefahren um von hier aus loszugehen.

Ab 13 Uhr bin ich also noch ein kleines Stück durch Matosinhos gewandert und habe kurze Zeit später auch schon den ersten gelben Pfeil und auch die ersten Mitpilger getroffen. – Buen Camino- ich bin froh und glücklich wieder auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu sein -. Weiter ging es dann am Meer entlang Richtung Norden. Das Wetter ist schön. Es ist sonnig und warm, stellenweise bewölkt und um die 20°C – gutes Wanderwetter.

Es gibt wenig gelbe Pfeile, aber verlaufen kann man sich nicht wirklich. Immer am Meer entlang durch Dünenlandschaften, über Holzstege auch mal ein kleines Stück durch den Sand oder an der Straße entlang. Schnell bin ich in der Höhe von Lavra. Da es aber erst 15:30 Uhr ist, beschließe ich noch etwas weiter zu wandern. Nach einer weiteren Stunde erreiche ich den Campingplatz von Vila Cha und erhalte für 10 Euro einen kleinen Wohnwagen für die Übernachtung. Die Sanitäranlagen des Platzes sind gut und ich genieße, nach dem Duschen, Wäsche waschen und aufhängen im gegenüberliegenden Restaurant, einen schmackhaften Fischteller mit Pommes und Salat, dazu ein leckeres Bier (10,50 Euro).

Vor dem Schlafengehen kaufe ich im kleinen Laden des Campingplatzes noch etwas Verpflegung für den kommenden Tag und schreibe anschließend mein Tagebuch. Mit der Lektüre für die morgige Etappe schlafe ich ein.

Tag 2: Donnerstag, 29.05.2014                     Von Vila Cha nach Rates (20,0 km)

Ich gehe bereits um 6:30 Uhr los. Leider regnet es ununterbrochen leicht vor sich hin, so dass ich nicht nur den Rucksack in den Regenschutz, sondern auch mich in den Poncho stecken muss.

Hier in Portugal ist heute kein Feiertag (Christi Himmelfahrt) wie bei uns. Die Menschen sammeln sich an den Bushaltestellen und schauen mir etwas mitleidig nach. Mir geht es trotz des Regens gut und ich wandere noch etwas in Strandnähe, nachher durch ein schönes Naturschutzgebiet Richtung Vila de Conde. Dort angekommen überquere ich die Brücke über den Rio Ave bevor es in die Stadt geht und halte mich direkt hinter der Brücke sofort rechts (wie in meinem Reiseführer von R. Joos beschrieben). Bis hier ist der Weg gut und ausreichend gekennzeichnet. Die neu angebrachten Pfeile führen an dieser Stelle jedoch in die Stadt und verlieren sich dort, wie ich später von anderen Pilgern erfahre.

Gut, dass ich mich entschieden habe direkt nach der Brücke rechts weiter zu gehen. Etwa 100 m den Fußweg entlang finde ich von dort bis nach Rates ebenfalls neue gelbe Pfeile, die mich sicher führen.

In der Herberge von Rates werde ich herzlich aufgenommen und erhalte gegen eine Spende ein Bett für die Nacht. Die Herberge ist für mich völlig in Ordnung und ein kleiner Laden für die morgige Rucksackverpflegung befindet sich schräg gegenüber. Mit einigen Pilgerfreunden gehe ich später in die ca. 150 m oberhalb der Herberge befindliche Tienda und wir erhalten ein herrliches Pilgermenü bestehend aus einer leckeren Kartoffelsuppe, nachher Beef, Pommes und Reis, Brot, Oliven und ein großes Bier für 10 Euro. Um 21:00 Uhr liege ich im Bett und lese noch etwas über die morgige Etappe.

Tag 3: Freitag, 30.05.2014                  Von Rates nach Portela de Tamel (25,0 km)

Auch heute beginnt meine Wanderung um 6:30 Uhr. Das Wetter ist sonnig und warm. Es geht überwiegend durch Wälder und Felder und kleine Ortschaften. Fast immer, wenn die Straßen befestigt sind handelt es sich um Kopfsteinpflaster. Der Weg führt durch das schöne Städtchen Barcelos, das sich jetzt am Vormittag auf ein Mittelalterfest vorbereitet. Meine Pause findet am Wegrand statt. Wasser, Käse und Brot aus dem kleinen Laden in Rates munden vorzüglich. Nur wenige Pilger sind unterwegs und ziehen an mir vorbei. Weiter bis zur Herberge nach Portela de Tamel geht es noch einmal ein ganzes Stück heftig bergauf, sodass ich froh bin gegen 14 Uhr mein heutiges Tagesziel erreicht zu haben.

Obwohl die Öffnungszeit offiziell 15 Uhr ist, wird uns schon gegen 14:15 Uhr (nachdem alles geputzt ist) Einlass gewährt. Die Herberge erweist sich als sehr schön, gepflegt, sauber, freundlich und einladend.

Ich erhalte für 6 Euro ein Bett in einem 6-Bett-Zimmer. Nach dem Pilgeralltag bestehend aus Duschen, Wäsche waschen und aufhängen, entspannen und Tagebuch schreiben, gehe ich noch etwas spazieren. Leider ist der nächste Einkaufsladen 1,5 km entfernt, sodass ich meine Rucksackvorräte morgen auf dem Weg auffüllen muss.

Das Restaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite öffnet um 19 Uhr. Gemeinsam mit Walter aus Düsseldorf, Detlef aus Völklingen und Manfred (ich glaube aus Wuppertal) bestellen wir jeweils ein Menü (Gemüsesuppe aus dem großen Topf, Schweinefilet mit Pommes und Reis und Salat, dazu Wein oder Bier und anschließend Cafe) für 9,50 Euro. Wir stellen fest, dass die Pilgerschar zwar international ist, aber auffällig viele deutsche Pilger dabei sind. Wie immer geht es gegen 21:30 Uhr ins Bett.

Tag 4: Samstag, 31.05.2014        Von Portela de Tamel nach Ponte de Lima (24,3 km)

Die Nach ist erholsam und ich bin frohgelaunt morgens um 6:30 Uhr wieder auf meinem Weg. Das Wetter ist sehr schön. Viel Sonne, einige kleine Quellwolken und eine angenehme Wärme begleiten mich. Heut durchwandere ich wieder eine sehr schöne Etappe. Es geht überwiegend auf Sand- und Feldwegen durch Weinfelder und viel Natur. Nach zwei Stunden mache ich auf dem Portela de Facha, also dem höchsten Punkt des heutigen Abschnitts eine Pause. Der Weg geht weiterhin bergauf, bergab und verlangt im nächsten Cafe eine weitere Pause bei Milchkaffee und Croissant.

Die Cafe’s am Wegrand sind neben den Herbergen die Orte wo man mit Pilgern aus der ganzen Welt zusammentrifft. Ich stelle fest, dass neben vielen deutschen Pilgern auch Landsleute aus England, Tschechien, Frankreich und natürlich Spanien unterwegs sind. Auch einige asiatische Pilger treffe ich. Etliche von ihnen berichten, dass sie – wie auch ich – bereits Erfahrungen auf anderen Jakobswegen gesammelt haben.

In Ponte de Lima angekommen wähle ich die Jugendherberge für die Übernachtung, weil die Pilgerherberge erst um 16 Uhr öffnet. Ich bekomme ein Bett in einem Vierbettzimmer für 8 Euro, welches ich nachher nur mit Detlef teile.

Nach dem üblichen Duschen, Wäsche waschen und aufhängen, Tagebuch schreiben und entspannen, unternehme ich einen umfangreichen Stadtrundgang durch den sehenswerten Ort. Abends gehe ich mit den Pilgerfreunden im Hotelrestaurant Encanada nahe der Brücke über den Rio Lima ein Pilgermenü essen. Wir sind der Meinung heute ein fürstliches Menü verdient zu haben.

Tag 5: Sonntag, 01.06.2014                 Von Ponte de Lima nach Valença (32,6 km)

 

Wieder bin ich um 6:30 Uhr gestartet. Heute erwartet mich der höchste Berg des gesamten Weges von Porto nach Santiago de Compostela – der Portale Grande (405 m).

Es ist eine außergewöhnlich schöne Etappe durch eine wunderschöne Landschaft. Abwechselnd durchwandere ich Eukalyptus- und Mischwälder, Weinanbaugebiete und Felder. Kaum Kopfsteinpflaster. Dann geht es bergauf. Zum Teil ziemlich steil und anstrengend um nachher fast 5 km manchmal steil aber überwiegend angenehm bergab zu gehen. Unterwegs treffe ich auf das „Cruz de Ferro“ des Caminho Português. In Rubiães angekommen geht es mir nach diesem herrlichen Weg bei dem schönen Wetter so gut, dass ich mich nach einer ausgiebigen Pause entscheide weiter zu gehen. Gegen 15 Uhr erreiche ich Valença und wähle die Albuerge de Peregrinos São Teotónio direkt vor den Toren der Altstadt. Die Herberge ist sehr schön und ich erhalte für 6 Euro ein Bett in einem 28 Betten Schlafsaal.

Nach dieser langen Etappe brauche ich etwas mehr Zeit zur Entspannung und mach dennoch anschließend einen Spaziergang durch die sehenswerte Altstadt, die sich inmitten von erhabenen Festungsmauern befindet. Sehr beeindruckend und von vielen Touristen gefüllt. Es ist Sonntag. Ich gönne mir ein Eis und genieße den sonnigen Spätnachmittag. Mein Pilgermenü nehme ich heute in einem Restaurant in der Nähe der Herberge alleine zu mir. Die anderen Pilgerfreunde möchten lieber selber kochen. Um 21:30 Uhr bin ich in meinem Bett und schlafe gut bis zum frühen Morgen.

Tag 6: Montag, 02.06.2014                          Von Valença nach O Porriño (19,5 km)

Erst um 7:30 Uhr starte ich meine heutige Etappe. Da mein Ziel das kleine Städtchen O Porriño ist, also lediglich knapp 20 km entfernt, habe ich ausreichend Zeit für den Weg.

Ich nehme den kurzen Weg aus Valença heraus an der Straße entlang und nicht mehr durch die Altstadt. Nach einer halben Stunde erreiche ich die internationale Brücke über den Rio Miño, die Portugal mit Spanien verbindet. Nach der Überquerung trinke ich in der Bar neben der Kathedrale von Tui meinen ersten Cafe con leche in Spanien. Das Wetter ist weiterhin warm und sonnig und der Weg führt mich viel durch grüne schattige Wälder. Entgegen jeglicher Beschreibung die ich bisher zu dieser Etappe gelesen habe, geht es nur kurz durch ein Industriegebiet und ansonsten an einem kleinen Fluß entlang durch eine parkähnliche Anlage bis zur Herberge nach O Porriño.

Diese liegt direkt am Rio Louro und sieht noch ziemlich neu aus. Der Schlafsaal hat 51 Betten. Die Übernachtung kostet incl. Tageslaken 6 Euro. Den Rest des Tages verbringe ich in der Fussgängerzone des schönen Städtchens. Ich sitze lange im Straßencafe und beobachte die Familien, die ab 18 Uhr rauf und runter flanieren und die spielenden Kinder. Entspannung pur.

Tag 7: Dienstag, 03.06.2014                        Von O Porriño nach Redondela (15,0 km)

Es ist 6:45 Uhr und ich starte hier in Spanien noch im Halbdunkeln. Es dauert einige Zeit bis ich den langgezogenen Ort hinter mir habe. Es ist bewölkt und merklich kühler als in den letzten Tagen. Der Weg führt durch den Ort Mos, wo sich auch eine kleine Herberge für Pilger befindet. Einen Stempel in meinen Pilgerausweis konnte ich leider nicht bekommen, da der Hospitalero nicht im Haus war.

Weiter geht es einen kleinen Berg hinauf. Leider heute viel auf kleinen Asphaltstraßen und eher wenig über Sand- oder Waldwege. Da es heute mal nur 15 km sein sollen – quasi ein Tag Pause – und ich nur bis Redondela wandern möchte, sitze ich bereits um 10:30 Uhr in dem Cafe gegenüber der schönen Herberge, die aber erst um 13 Uhr öffnet. Ich habe also viel Zeit für Cafe und Croissant und für die erste kleine Besichtigung des Ortes. Um 13 Uhr erhalten die 15 bereits wartenden Pilger Einlass und die Hospitalera erklärt zunächst die Regeln des Hauses. Danach werden die Betten und die Tageslaken für 6 Euro pro Person verteilt. Nach dem üblichen Pilgerritual gehe ich durch den hübschen Ort die 1,5 km bis ans Meer. Ein kleiner Hafen und ein noch kleinerer Badestrand begrüßen mich. Das Wetter ist wieder etwas besser geworden. Blauer Himmel, um die 20°C und etwas windig. Im Restaurant neben der Herberge esse ich mit Walter aus Düsseldorf ein leckeres Pilgermenü für 9 Euro und gehe gegen 21:30 Uhr schlafen.

Tag 8: Mittwoch, 04.06.2014                        Von Redondela nach Pontevedra (17,5 km)

Um 7:00 Uhr bin ich wieder unterwegs. Ich liebe es morgens bei aufgehender Sonne, alleine durch die Natur zu wandern und genieße die Stille, die fast nur durch das Zwitschern der Vögel begleitet wird. Ich durchwandere die ersten galizischen Wälder, die für mich immer schon etwas von uralten Märchenwäldern hatten. Nach zwei kleinen aber recht steilen Anstiegen ist mir schon mächtig warm. Der mittlerweile bewölkte Himmel ist somit für die Wanderung völlig in Ordnung. Gegen 11:30 Uhr erreiche ich bereits die Herberge, die allerdings erst um 13 Uhr öffnet. Wir, d.h. auch einige andere Pilger die ich in den letzten Tagen kennengelernt habe und die ebenfalls schon da sind, müssen uns noch gedulden. Wieder kostet die Übernachtung incl. Tageslaken 6 Euro. Der Schlafsaal beherbergt 27 Doppelstockbetten, die allerdings hier sehr eng beieinander stehen. Neben mir liegt ein Pilger aus Holland, der schon bei seinem Nachmittagsschläfchen laut und kräftig schnarcht. Gut, dass mir mein Pilgerfreund Walter zwei Ohrenstöpsel für die Nacht schenkt.

Nach dem Duschen, Wäsche machen, usw. gehe ich die 1,5 km in die Stadt und mache eine sehr ausgiebige Besichtigung. Pontevedra hat eine große und schöne Fussgängerzone und lädt damit zum Verweilen ein. Abends gehe ich mit Walter in das Restaurant gegenüber unserer Herberge und genieße einen leckeren Salat und eine große Portion Pulpo (gekochte Krake in Olivenöl gewürzt mit Salz und rotem Paprikapulver).

Tag 9: Donnerstag, 05.06.2014             Von Pontevedra nach Caldas de Reis (22,7 km)

Morgens in der Früh bin ich wieder unterwegs. Es ist noch etwas dämmrig, sodass ich den Sternenweg (kleine Lampen in der Straße der Fußgängerzone von Pontevedra) gut erkennen kann. Schnell bin ich wieder an der „Puente del Burgo“ über den Rio Lérez. Das Wetter ist kühl, bewölkt und windig. Nach zwei Stunden erreiche ich Portela und mache kurz darauf eine Pause im Cafe Don Pulpo.

Der Weg führt heute durch kleine Ortschaften, einige Weinanbaugebiete und wieder durch diese herrlichen Wälder. Da ich etwas muskuläre Probleme in meiner Wade spüre, konzentriere ich mich leider mehr darauf als auf den Weg. Am Wegzeichen 49,995 km mach ich einige Fotos und zwei deutsche Pilgerinnen, die gerade des Weges kommen auch mal ein Bild mit mir. Ich wandere weiter über Briallos bis nach Caldas de Reis, wo ich für 10 Euro ein Bett in einem 4-Bett-Zimmer mit eigenem Bad in der privaten Herberge O Cruceiro bekomme. Eine schöne Terrasse lädt mich ein zum Tagebuch schreiben.

Der Nachmittag ist reserviert für die Ortsbesichtigung, die allerdings aufgrund des einsetzenden Regens heute sehr kurz ausfällt. Sie endet mit dem Besuch der Bar neben der öffentlichen Herberge und einem leckeren Pilgermenü. Bereits um 21 Uhr liege ich im Bett und schlafe nach kurzer Lektüre der morgigen Etappe ein.

Tag 10: Freitag, 06.06.2014                Von Caldas de Reis nach Padrón (18,4 km)

Als ich mich um 7 Uhr auf den Weg mache, beginnt es bereits leicht zu regnen. Eine halbe Stunde später ist der komplette Regenschutz incl. Poncho notwendig. Es ist nur noch 16 °C warm und – wie in Galizien üblich – auch mal mit ergiebigem, feinem Landregen.

Der Weg führt heute viel über Schotterpisten und kleine Straßen. Immer wieder aber auch durch Weinfelder. Nach drei Stunden Wanderung mache ich eine längere Pause bei zwei Cafe con leche und einem Stück Pizza (was ich mir in Deutschland so früh am Tag überhaupt nicht vorstellen kann). Während der Pause beobachte ich die Ankunft von Buspilgern, die ebenfalls ein Stück dieses Jakobsweges gehen möchten. Es hat aufgehört zu regnen und ich wandere weiter Richtung Padrón. Nach kurzer Zeit bemerke ich, dass ich meine Wasserflasche im Cafe stehen gelassen habe. Jetzt erlebe ich eine Geschichte, die ich sonst in ähnlicher Weise nur gelesen habe. Ich komme nach einiger Zeit – mitlerweile ziemlich durstig – durch den Ort Pontecesures und stehe vor einem Haus mit dem Namen „Mesa de Pedra“. Das Tor ist geschlossen, aber davor steht neben Obst und Saft auch eine frische Wasserflasche auf einem Tisch. Hier darf sich der Pilger gegen eine kleine Spende bedienen. Ich bin dankbar für das erfrischende Wasser und verwundert darüber, was mir da gerade passiert ist. Gegen 11:30 Uhr erreiche ich das Ufer des Flusses Sar und es fängt wieder sehr stark an zu regnen. Schnell ist meine zwischenzeitliche getrocknete Hose wieder völlig naß. Eine wunderschöne Allee führt mich in Padrón direkt zur Jakobuskirche, in der ich Schutz vor dem Regen finde und auch einen Stempel in meinen Pilgerausweis bekomme.

Die nächste Regenpause nutze ich für die restlichen 500m bis zur Herberge Padrón, die mir wieder für 6 Euro ein Bett und ein Tageslaken in einem 48 Betten Schlafsaal bietet. Eine schöne Herberge mit stabilen Holzbetten, einem großen Aufenthaltsraum, leider aber nur zwei Duschen und eine Toilette jeweils für Damen und Herren. Der Ortskern ist nicht sehr groß und lässt sich am Nachmittag – regenfrei – gut besichtigen. Heute endet der Tag mit einem Menü a la Cart und der Spezialität des Ortes Padrón – Pimientos – kleine geröstete grüne Paprikaschoten mit Salz.

Tag 11: Samstag, 07.06.2014      Von Padrón nach Santiago de Compostela (23,6 km)

Morgens um 7 Uhr geht es los auf die letzte Etappe. Das Wetter ist kühl, bewölkt und windig, aber trocken. Noch immer ist der Weg sehr „galizisch“. Waldwege, Weinfelder und kleine Straßen durch kleine Orte. In Teo mache ich meine Frühstückspause vor einer Herberge, die direkt am Weg liegt. Bis ca. 4 km vor der Stadt Santiago de Compostela ist der Weg sehr ländlich, dann führt er nur noch durch die Häuserreihen auf Asphaltstrassen und Bürgersteigen bis zur Kathedrale. Das letzte Stück ist auch nicht besonders gut gekennzeichnet, aber es sind genug Menschen da, die auf freundliche Nachfrage auch gerne Auskunft geben. Gegen 11:30 Uhr erreiche ich glücklich und auch ein bisschen stolz die Kathedrale.

Nach dem Besuch der Mittagsmesse suche ich meine Herberge „La Salle“ und miete mich für zwei Nächte ein. Den Nachmittag nutze ich für die erste Besichtigung der Innenstadt und für das Abholen der Compostela im Pilgerbüro. Den Abend verbringe ich mit meinem Pilgerfreund Detlef in einem netten Restaurant und den Erinnerungen über den gerade beendeten Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela.

Tag 12: Sonntag, 08.06.2014                       Ein Tag in Santiago de Compostela

Es ist Pfingstsonntag. Heute schlafe ich einmal etwas länger. Ab 8:00 Uhr hält mich jedoch nichts mehr in meiner Unterkunft und ich gehe in die Stadt frühstücken. Anschließend verbringe ich den ganzen Tag damit, den Busbahnhof zu erkunden und ein Ticket für die morgige Rückfahrt nach Porto zu kaufen, den Stadtcampingplatz zu besichtigen – kann ja sein wir machen noch mal eine Wohnmobiltour nach Santiago – und die Mittagsmesse zu besuchen. Ich bummel einige Stunden durch die Innenstadt und stehe lange Zeit auf dem Vorplatz der Kathedrale um die ankommenden Pilger zu beobachten. Glückliche, freudige, dankbare und weit in sich gekehrte Gesichter sind zu sehen. Auch die eine oder andere Träne. Ich erinnere mich an meine Ankunft 2012 nach ca. 800 km Pilgerweg von St. Jean Pie de Port und die intensiven Glücksgefühle die ich damals gespürt habe. Ich treffe noch den einen oder anderen Pilger von meiner Wanderung, gratuliere herzlich und wünsche für die Zukunft alles Gute.

 

 

Tag 13: Montag, 09.06.2014        Mit dem Bus von Santiago de Compostela nach Porto

Um 10 Uhr fährt der bequeme und moderne Reisebus Richtung Porto ab. Ich fahre in nur vier Stunden den Weg der letzten 10 Tage zurück und finde die Zeit, mich noch einmal an viele Situationen meiner Pilgerwanderung zu erinnern.

In Porto habe ich mir vorab ein günstiges Zimmer direkt am Plaça da Liberdade gebucht. Am Nachmittag unternehme ich von hier aus die erste Besichtigungstour. Im Bahnhof Estação de Saõ Bento treffe ich meinen Pilgerfreund Detlef wieder, der bereits einen Tag früher in Porto eigetroffen ist. Gemeinsam verbringen wir den Abend mit der Besichtigung der Promenade am Rio Douro und gehen gemeinsam essen.

 

Tag 14: Dienstag, 10.06.2014     

Von Porto–Kathedrale nach Porto-Matosinhos (Mercado) (15 km)

Um meine Pilgerreise komplett zu machen, gehe ich heute – allerdings ohne Rucksack – von der Kathedrale aus den Jakobsweg am Flussufer entlang bis nach Matosinhos, wo ich vor genau 13 Tagen gestartet bin. Es ist 8:15 Uhr beim Start an der Kathedrale. Der Weg zum Fluß ist leicht zu finden. Er führt bergab und über viele Stufen runter bis zum Ufer des Rio Douro. Immer an der Promenade entlang, vorbei an vielen kleinen Fischlokalen, Cafes und Bars bis zur Mündung in den Atlantik. Ich stelle fest, dass sehr viele Menschen am Strand unterwegs sind oder joggen oder einfach in der Sonne liegen. Das wundert mich sehr, bis ich später erfahre, dass heute portugiesischer Nationalfeiertag ist. Nach knapp drei Stunden Wanderung erreiche ich die Metro-Station Mercado an der Brücke über den Frachthafen. Mein Startpunkt am 28.5.14

Ich fahre mit der Metro zurück in die Stadt und unternehme noch eine umfangreiche Besichtigung der schönen Innenstadt, trinke noch einen vorzüglichen Portwein, bevor ich dann am nächsten Tag über Frankfurt wieder nach Münster/Osnabrück zurückfliege.

Resümee:

Ich habe eine wunderschöne Pilgerreise von Porto nach Santiago de Compostela erlebt. Ein nicht überlaufener, stiller und doch mit vielen Höhepunkten gespiekter Pilgerweg, der eine Menge nachhaltige Eindrücke in mir hinterlassen hat.

Wer also, wie ich, nur 2 – 3 Wochen Zeit hat oder einmal in das Pilgerleben mit Rucksack, Herbergen und Muscheln oder gelben Pfeilen eintauchen möchte, dem kann ich diesen idyllischen Pilgerweg nur sehr warm ans Herz legen. Der Weg ist sicherlich nicht so intensiv und erlebnisreich wie der Camino Frances, hat aber für die ca. 250 km seinen eigenen unverwechselbaren, stillen Charme.

Ich bin mir sicher, dass jeder der sich für den Camino Portugues entscheidet, nicht enttäuscht sein wird.

In diesem Sinne

Buen Camino

Jürgen


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